Quantcast
Viewing latest article 2
Browse Latest Browse All 3

Die Sauna unter dem Altar

Die Bildzeitung bezeichnete sie einmal als die „verrückteste Kirche in Hamburg“. Und das nicht ganz zu unrecht. Eine Sauna unter dem Altar? Das wäre schon eine der Kuriositäten, die es in dem finnischen Gotteshaus zu entdecken gibt.

Die Finnische Seemannskirche, Suomen Merimieskirkko, im Hamburger Portugiesen-Viertel sieht von außen eher unscheinbar aus. Der Grund für die Betitelung der Bildzeitung wartet nicht im Kirchenraum selbst, sondern ein Stockwerk tiefer. Denn dort befindet sich unter dem Altar etwas, ohne das die Finnen nicht leben können: eine Sauna.Image may be NSFW.
Clik here to view.
DSC04075

„Die Sauna hat zwar eigentlich nichts mit unserer Kirche zu tun, aber sie gehört bei uns Finnen einfach dazu“, sagt Satu Oldendorff. Die 61-Jährige Finnin kam in den 1970er Jahren zum ersten Mal nach Deutschland. Hier lernte sie ihren Mann kennen. Der Wohnort wechselte dann immer wieder zwischen Deutschland und Finnland. Inzwischen ist sie seit vier Jahren wieder in Hamburg und leitet hier die Finnische Seemannskirche.

Image may be NSFW.
Clik here to view.
DSC_3236
Weltweit gibt es davon 13 Stück, beispielsweise in London, Athen, Rotterdam, Antwerpen, Lübeck und eben in Hamburg. Hier finden die Besucher neben Kirchenraum und Sauna auch einen Shop mit finnischen Spezialitäten wie Lakritz, Pulla (Hefegebäck) und Rentierfleisch sowie ein Café. Vor allem aber geht es um Gemeinschaft und die Möglichkeit, andere Finnen zu treffen: „Ich komme seit vierzig Jahren her, hier kann ich Finnisch sprechen. Es ist wie eine zweite Heimat“, sagt Taisto Ihamäki. In den 1970er Jahren kam er zum Arbeiten von Finnland nach Deutschland und ist geblieben. Die Merimieskirkko ist für den Rentner eine wichtige Anlaufstelle. Taisto wohnt gleich um die Ecke. Mindestens einmal die Woche geht er hier in die Sauna, hilft ehrenamtlich bei handwerklichen Fragen. Heute hat er einen Blick auf den Kamin geworfen, der nicht mehr richtig will.

Image may be NSFW.
Clik here to view.
DSC_3246
Auch Seemänner spielen in der Merimieskirkko noch eine Rolle. Die Mitarbeiter der Seemannskirche besuchen jedes finnische Schiff, das im Hafen liegt, bringen finnische Zeitungen mit und Telefonkarten. Sie fahren die Männer auch vom Schiff zum Flughafen und umgekehrt. Wenn einer erst am nächsten Tag an Bord geht, kann er in der Seemannskirche übernachten. Seeleute machen in Hamburg inzwischen aber nur noch einen kleinen Teil der Besucher aus. „Wir sind vor allem ein Ort der Begegnung für Finnen, die hier leben, ein Treffpunkt für Landsleute“, sagt Satu. Für die kleinen Gemeindemitglieder gibt es eine Sprachschule und einen Spielraum. Für die Erwachsenen viele gemeinsame Aktivitäten wie Handarbeitskreise oder Nordic Walking Gruppen.

Image may be NSFW.
Clik here to view.
DSC_3226

Der Höhepunkt des Jahres ist der Weihnachtsbasar. Im vergangenen Jahr kamen 38.000 Besucher. Über 1000 Liter Glühwein, 250 Kilogramm Rentiergeschnetzeltes und 400 Kilogramm Kleine Maränen wurden verkauft. Für die Seemannskirche ist der Basar eine wichtige Einnahmequelle. „Wir leben hauptsächlich von Spenden.“ Aber auch die Gemeindemitglieder unterstützen ihre Kirche. Von Januar bis November stricken und basteln 50 Frauen vom Handarbeitskreis „Työkerho“  beispielsweise Mützen und Schals und verkaufen sie dann im Kirchenraum. Inzwischen stricken sie schon wieder für den nächsten Basar.

Wenn ihr noch was zur Geschichte der Finnischen Seemannskirche wissen wollt, dann klickt euch unten durch die Timeline.

Text: Freya M. Baier und Kathrin Köppen

Fotos: Freya M. Baier, Kathrin Köppen und Sven Buchenau

Grafik: Anna Graalfs und Freya M. Baier


Viewing latest article 2
Browse Latest Browse All 3